Trainiere wie ein Shaolin-Mönch! 11 uralte Übungen

Shaolin-Mönche sind zu scheinbar unmöglichen geistigen und körperlichen Höchstleistungen fähig. Sie durchbohren Bäume mit ihren Fingern, schlagen ihren bloßen Kopf gegen Steinmauern und stoßen ihre Schädel zusammen, um sie zu härten. Sie schaben mit Messern über ihren Bauch, um ihren Rumpf zu kräftigen. Mit dem Kopf zerbrechen sie Stöcke, Ziegel sowie Eisen- und Stahlstäbe. In tiefer Meditation balancieren sie ihren gesamten Körper über lange Zeit auf dem Kopf oder dem Zeigefinger.

Da all das, was Shaolin-Mönche vollbringen, mühelos und schmerzfrei wirkt, werden ihre beeindruckenden Leistungen von Außenstehenden häufig als bloße Schaustellung, Täuschung oder Betrug abgetan.

Dabei liegt es auf der Hand, dass die jahrelange harte Arbeit, die dahintersteckt – die Geduld, die Hingabe und die Ausdauer, die sie in die Stärkung ihres Körpers und die Verfeinerung ihrer Qi-Energie investieren – für den Betrachter schlicht nicht sichtbar ist. Im Folgenden stellen wir dir einige der weniger bekannten Shaolin-Kampftrainingmethoden vor…

 1. Fingerstöße

Shaolin-Schüler beginnen bereits in jungen Jahren damit, gegen Bäume und Holzbretter zu schlagen, um ihre Finger zu stärken. Im Laufe der Ausbildung steigern sie die Intensität und üben zunehmend kraftvolle Stöße. Dabei muss jeder einzelne Finger beider Hände trainiert werden, um wirkungsvolle Schläge ausführen zu können. Sind die Finger ausreichend gestärkt, können schwerere Techniken erlernt werden – darunter der sogenannte Diamantfinger, also der Einfingerhandstand.

2. Das Herausziehen von Nägeln (Bo Ding Gong)

Um die Finger weiter zu kräftigen und die Greifkraft von Daumen, Zeige- und Mittelfinger zu entwickeln, schlagen die Schüler 108 Nägel in ein Holzbrett und üben das Herausziehen mit genau diesen drei Fingern. Gelingt dies mühelos, wird die Übung mit Daumen, Ringfinger und kleinem Finger wiederholt. Mit der Zeit werden die Nägel immer tiefer in das Holz getrieben. Nach Abschluss der ersten Ausbildungsphase werden die Nägel mit Wasser begossen und dem Rost überlassen.

In der letzten Trainingsphase kann ein fortgeschrittener Schüler bis zu 1.000 rostige Nägel herausziehen. Ein wahrer Meister dieser Technik vermag dies schließlich mit zwei oder gar nur einem einzigen Finger. Im Kampf befähigt diese Übung den Shaolin-Krieger dazu, mit drei Fingern präzise und wirkungsvolle Griffe an den verwundbaren Punkten des Gegners anzusetzen.

3. Fußtritte (Zu She Gong)

Junge Shaolin-Schüler treten bei ihren täglichen Morgen- und Abendspaziergängen barfuß gegen kleine Steine. Mit zunehmender Muskelkraft steigern sie die Intensität der Tritte und gehen schrittweise zu größeren Steinen über. Dem Shaolin-Grundsatz „vom Einfachen zum Komplexen” folgend, üben die Schüler schließlich das Treten gegen Felsen und das weite Wegschleudern schwerer Steine. Im Kampf versetzt diese Technik den Shaolin-Krieger in die Lage, seinen Gegner mit einem einzigen gehärteten Tritt in den unteren Körperbereich zu Fall zu bringen oder wegzuschleudern.

4. Bao Shu Gong oder Millie Gong

Diese Übung kräftigt die Arme, die Brust und die Bauchmuskulatur und fördert das, was die Shaolin als „die Strömungen der inneren Kraft” bezeichnen. Die Schüler wählen einen Baum, umschlingen ihn mit beiden Armen, drücken ihn mit aller Kraft zusammen und versuchen, ihn herauszureißen. Diese Übung wird täglich mehrmals wiederholt. Erste spürbare Ergebnisse zeigen sich nach etwa einem Jahr. Wenn Arme, Brust und Bauch ausreichend gestärkt sind, wächst die Kraft so weit, dass die Schüler den Stamm so heftig schütteln können, dass Blätter zu fallen beginnen.

Die Schüler sind gehalten, diese tägliche Übung ihr Leben lang mit größter Intensität fortzuführen und dabei beständig darauf hinzuarbeiten, die Wurzeln des Baumes zu lockern. Wer diese Technik vollständig beherrscht, besitzt die Kraft, ausgewachsene Bäume mitsamt den Wurzeln aus dem Boden zu reißen und ihr volles Gewicht mit beiden Armen zu heben. Im Kampf können Shaolin-Krieger ihren Gegner mit beiden Armen umschlingen und ihm auf diese Weise schwere Verletzungen zufügen.

5. Eisenkopf (Tie Tou Gong)

Shaolin-Schüler wickeln ihren Kopf in mehrere Lagen weichen Stoffs – in der Regel Seide – und beginnen damit, ihn täglich einige Male behutsam gegen eine Wand zu schlagen. Die anfängliche Vorsicht dient dazu, innere Verletzungen zu vermeiden. Ziel der Übung ist die Stärkung von Scheitel, Stirn und Hinterkopf sowie die Kräftigung von Haut, Muskeln und Knochen. Gleichzeitig fördert die Übung die innere Kraft und das Qi des Schülers.

Mit der Zeit steigern sich sowohl die Kraft als auch die Anzahl der Kopfstöße. Nach dem ersten Jahr werden durchschnittlich drei Lagen Stoff pro 100 Tage abgelegt. Sobald alle Lagen vollständig entfernt sind, tritt der Schüler in die zweite Phase ein: Er beginnt, seinen bloßen Kopf gegen Steinmauern zu schlagen, und erweitert sein Training durch das Schlafen im Kopfstand sowie das gegenseitige Zusammenstoßen der Schädel. Im Laufe der Jahre formen sich die Schädelknochen unter dem anhaltenden Druck um. Auf ähnliche Weise werden Schläfen, Augen, Nase und Mund gehärtet, bis der gesamte Kopf die Härte von Stein erreicht.

Der innere Aspekt dieser Übungen ist dabei von entscheidender Bedeutung: Ohne ein starkes Qi, das die äußere Kraft ergänzt und trägt, bleiben die Ergebnisse weit hinter den Möglichkeiten zurück. Im Kampf wird die Eisenkopf-Technik eingesetzt, um den Gegner niederzustrecken. Shaolin-Akrobaten demonstrieren diese Meisterschaft häufig öffentlich, indem sie Stöcke, Ziegel sowie Eisen- und Stahlstäbe auf dem Kopf zerbrechen. Ein besonders eindrucksvolles Beispiel lieferte der Shaolin-Kung-Fu-Meister Zhao Rui, dem es gelang, eine laufende elektrische Bohrmaschine 10 Sekunden lang gegen die Seite seines Kopfes zu halten, ohne dass seine Haut dabei aufriss.

6. Yi Zhi Chan Gong: Der eine Finger der Chan-Meditation

Meister Xi Hei Zi der südlichen Shaolin-Schule widmete dieser Trainings- und Meditationsmethode 40 Jahre seines Lebens. Zu Beginn seines Trainings hängte er ein Gewicht an einen Baum, an dem er auf seinen täglichen Spaziergängen regelmäßig vorbeikam. Jedes Mal, wenn er an dem Baum vorbeiging, stieß er mit dem Zeigefinger aus einiger Entfernung in Richtung des Gewichts – seine Fingerspitze berührte dessen Oberfläche dabei kaum. Anfangs blieb das Gewicht vollkommen reglos. Doch durch beharrliches Üben und tiefe Meditation begann es schließlich zu schwingen. Mit den Jahren entdeckte Xi Hei Zi, dass er das Gewicht allein durch das Richten seines Zeigefingers in tiefer Meditation in Bewegung versetzen konnte – ganz ohne jede Berührung.

Daraufhin begann er, die Technik des „einen Fingers der Chan-Meditation” weiterzuentwickeln, indem er aus einer Entfernung von 3,3 Metern – knapp 11 Fuß – meditierend auf brennende Kerzen einwirkte. Bereits die Bewegung seines Fingers in der Luft ließ die Flammen flackern. Mit fortschreitender Übung gelang es ihm schließlich, die Flammen aus der Ferne vollständig zu löschen. Um die Herausforderung zu steigern, stellte er Papierschirme um die Kerzen. Er durchstach das Papier mit seinem Zeigefinger und löschte die Flamme aus der Ferne. Nach weiteren zehn Jahren ersetzte er die Papierschirme durch Glasschirme und übte so lange, bis er die Flamme löschen konnte, ohne das Glas dabei zu zerbrechen.

Nach Erlangung seiner Meisterschaft bereiste Meister Xi Hei Zi alle Shaolin-Klöster der nördlichen und südlichen Provinzen – und niemand vermochte ihn zu besiegen. Wer diese Technik vollständig beherrscht, soll in der Lage sein, schwere Verletzungen an den inneren Organen des Gegners zu verursachen, Krämpfe auszulösen und den Blutkreislauf zu blockieren – ohne dabei sichtbare Wunden zu hinterlassen.

7. Shuang Suo Gong – Doppelschloss

Diese Übung stärkt Muskeln, Knochen, Sehnen und Bänder im Unterarm. Die Schüler halten ihre Unterarme eng zusammen und schlagen Fäuste, Finger und Handgelenke so lange gegeneinander, bis kein Schmerz mehr zu spüren ist. Das Training gilt als abgeschlossen, wenn beim Aufeinanderprallen der Unterarme ein hohles, dumpfes Geräusch zu hören ist. Im Kampf kann ein Shaolin-Krieger mit dieser Technik den Angriff des Gegners wirkungsvoll abwehren, ihn mit bloßen Händen entwaffnen und im Extremfall sogar seinen Arm brechen.

8. Tie Bu Shan Gong – Eisenhemd

Die Schüler schlafen auf einem harten Bett, wickeln mehrere Lagen weichen Stoffs um Brust, Bauch und Rücken und massieren die eingewickelten Körperstellen kräftig. Im Freien befestigen sie eine horizontale Stange, graben darunter eine flache Grube und füllen diese mit feinem Sand. Drei Jahre lang hängen sie täglich an dieser Stange und lassen sich auf jeden Körperteil in die Grube fallen. Wenn sie bereit sind, werden die Stofflagen entfernt, und sie beginnen damit, ihren Körper zunächst mit einem Holzhammer, später mit Eisen zu schlagen. Dabei mobilisieren sie ihre innere Qi-Energie und lenken sie gezielt an die getroffene Stelle. Meister des Eisenhemds sollen dadurch in der Lage sein, selbst Angriffen mit scharfen Waffen standzuhalten.

9. Eiserner Bulle (Tie Niu Gong)

Die Schüler beginnen damit, ihren Bauch täglich zunächst mit Fingern und Handflächen, später mit Klingen zu schaben. Sobald die Haut sich gehärtet hat, werden zusätzlich harte Schläge auf den Bauchbereich ausgeführt. Wenn kein Schmerz mehr wahrgenommen wird, kommen Holz- und Eisenhämmer zum Einsatz. Ein fortgeschrittener Schüler steht dabei bewegungslos, während seine Mitschüler mit einem Eisenhammer auf seinen Bauch einschlagen. In der weiteren Ausbildung folgt die sogenannte „Glockenschlag”-Technik, bei der die Schüler mit Baumstämmen von mehreren hundert Kilogramm Gewicht getroffen werden. Meister des Eisernen Bullen sollen in der Lage sein, Schlägen, Schnitten und sogar Stichen in den Bauch zu widerstehen, ohne dass auf ihrer Haut auch nur eine Spur davon zu sehen ist.

10. Jin Shen Shu

Die Shaolin-Schriften berichten von Mönchen mit einem Gewicht von 100 Jin – also etwa 50 Kilogramm –, die schwerelos auf Ästen ruhen wie Schmetterlinge oder Bienen. Bei dieser Übung wird eine riesige Tonschüssel mit Wasser gefüllt. Ein Schüler geht täglich stundenlang auf dem Rand dieser Schüssel, dabei einen schweren, mit Eisen gefüllten Rucksack auf dem Rücken. Einmal im Monat wird das Wasser aus der Schüssel entfernt und der Rucksack mit noch mehr Eisen beschwert. Der Schüler muss so lange üben, ohne zu fallen oder die Schüssel umzuwerfen, bis diese vollständig geleert ist. Anschließend wird der Vorgang wiederholt – diesmal auf einem großen geflochtenen Korb voller Eisenspäne. Von fortgeschrittenen Schülern wird erwartet, dass sie über Gras gehen können, ohne einen einzigen Halm zu knicken. Im Jahr 2014 gelang es einem Mönch mithilfe dieser Technik, über 118 Meter – knapp 385 Fuß – über die Oberfläche eines Sees zu laufen.

11. Säulenübungen

Diese Technik dient der Stärkung von Beinen und Rumpf sowie der Schulung des körperlichen Gleichgewichts. Die Mönche stellen sich mit je einem Fuß auf zwei Säulen, gehen in die Hocke und halten dabei einen spitzen Bambusstab unter sich. In jeder Hand halten sie eine wassergefüllte Schale, eine weitere balancieren sie auf dem Scheitel. Mit fortschreitender Übung werden die Wasserschalen durch brennende Öllampen ersetzt. Wer diese Technik vollständig beherrscht, vermag mindestens zwei Stunden lang in vollkommenem Gleichgewicht und absoluter Reglosigkeit zu verharren.

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