Wen trifft ein Fluch eigentlich? – Eine Zen-Geschichte über das Verfluchen

Es lebte einmal ein alter Zen-Meister, der nicht nur in der Meditation, sondern auch im Kampf hervorragend war. Er war schon betagt, doch konnte er immer noch seine Herausforderer besiegen. Sein Ruf verbreitete sich über weite Länder, und viele Schüler kamen zu ihm.

Eines Tages betrat ein junger, hochmütiger Krieger mit zweifelhaftem Ruf das Dorf des Meisters. Er prahlte damit, dass er den alten Zen-Meister besiegen würde. Der junge Kämpfer war dafür bekannt, stets abzuwarten, bis sein Gegner den ersten Schritt machte. Er beobachtete aufmerksam den Kampfstil und die Schwächen seines Gegners, um dann blitzschnell und gnadenlos zuzuschlagen und dessen wunden Punkt auszunutzen. Bislang hatte er jeden Zweikampf für sich entschieden.

Der alte Meister nahm die Herausforderung zum Kampf an. Sie standen sich gegenüber, und der junge Krieger überschüttete den alten Meister mit Beleidigungen und Spott. Doch der Zen-Meister stand nur still da, richtete seinen sanften Blick auf den überheblichen Krieger und schwieg. Als der Junge merkte, dass er mit seinen Beschimpfungen nichts erreichte, begann er zu spucken und schließlich zu fluchen. Der alte Weise bewegte sich nicht, sondern stand geduldig da. Stunden vergingen so. Am Ende wusste der Krieger nichts Neues mehr zu sagen, und er stand beschämt und besiegt vor dem Zen-Meister. Er spürte, dass er unterlegen war, und erkannte seine Niederlage an.

Nach dem „Kampf“ versammelten sich die Schüler um den alten Meister und fragten ihn:
– Meister, wie konntest du all diese Beleidigungen, den Spott und die Flüche ertragen?

Der Meister antwortete:
Wenn dir jemand ein Geschenk macht und du nimmst es nicht an – wem gehört dann das Geschenk?

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