Hawkins’ Loslassens-Übung – Eine Erstaunlich Wirksame Technik!

Wahres Loslassen bedeutet, sich eines Gefühls bewusst zu werden, es hochkommen zu lassen, bei ihm zu bleiben und ihm Raum zu geben, ohne es verändern oder etwas damit tun zu wollen.

Es heißt schlichtweg, das Gefühl da sein zu lassen und sich darauf zu konzentrieren, die dahinter liegende Energie freizusetzen.

Im ersten Schritt erlauben wir uns, Gefühle zu haben, ohne gegen sie anzukämpfen, sie auf jemanden abzuwälzen, Angst vor ihnen zu haben, sie zu verurteilen oder zu bewerten. Das bedeutet, wir legen unsere Urteile ab und erkennen, dass wir es lediglich mit einem Gefühl zu tun haben.

Die Methode besteht darin, mit dem Gefühl zu bleiben und jeden Versuch aufzugeben, es zu verändern. Wir lassen unseren Widerstand gegen das Gefühl los.

WIDERSTAND IST ES, DER DAS GEFÜHL AM LEBEN ERHÄLT. Wenn wir den Widerstand oder den Versuch, das Gefühl zu verändern, aufgeben, wandelt es sich in das nächste Gefühl, das schon von einer leichteren Empfindung begleitet ist. Ein Gefühl, gegen das wir uns nicht wehren, löst sich auf, sobald die Energie dahinter versiegt.

Wenn wir uns dieser Praxis widmen, stellen wir fest, dass wir Angst oder Schuldgefühle empfinden, überhaupt Gefühle zu haben. Es existiert ein allgemeiner Widerstand gegen das Fühlen.

Gefühle lassen sich leichter an die Oberfläche bringen, wenn wir unsere Reaktion darauf loslassen, dass wir sie überhaupt empfinden. Das beste Beispiel dafür ist die Angst vor der Angst. Zuerst lassen wir die Angst und Schuld in Bezug auf das Gefühl los, dann tauchen wir in das Gefühl selbst ein.

Beim Loslassen richten wir unsere Aufmerksamkeit nicht auf Gedanken. Wir konzentrieren uns auf das Gefühl selbst, nicht auf das, was wir darüber denken. Gedanken sind endlos, sie nähren sich gegenseitig und erzeugen immer neue Gedanken. Sie sind bloße Rationalisierungen des Verstandes, der versucht, die Existenz der Gefühle zu erklären. Die wahre Ursache eines Gefühls ist jedoch der innere Druck, der sich über die Zeit aufgebaut hat und das Gefühl in einem bestimmten Moment an die Oberfläche drängt. Gedanken und äußere Umstände sind lediglich Vorwände, Erfindungen des Verstandes.

Mit zunehmender Übung im Loslassen erkennen wir, dass alle unangenehmen Gefühle mit unserer grundlegenden Angst ums Überleben verbunden sind und dass sämtliche Gefühle lediglich Überlebensprogramme sind, die der Verstand für notwendig hält.

Die Technik des Loslassens löst diese Programme schrittweise auf. Im Verlauf dieses Prozesses werden die Beweggründe hinter den Gefühlen immer offensichtlicher.

Hingabe bedeutet, zu einer Sache keine starken Gefühle mehr zu haben: Wenn etwas geschieht, ist es gut – und wenn nicht, ist es auch gut. Wenn wir frei sind, haben wir unsere Bindungen losgelassen.

Wir können etwas genießen, doch unser Glück hängt nicht mehr davon ab. Die Abhängigkeit von allem und jedem außerhalb unseres Selbst nimmt stetig ab. Dieses Prinzip entspricht sowohl Buddhas Lehre, sich nicht an weltliche Erscheinungen zu klammern, als auch der von Jesus Christus: „In der Welt sein, aber nicht von der Welt.“

Manchmal lassen wir ein Gefühl los, bemerken aber, dass es zurückkehrt oder weiterhin präsent bleibt. Das kann daran liegen, dass noch weitere Dinge übrig sind, die ebenfalls losgelassen werden wollen.

Wir haben ein Leben lang Gefühle unterdrückt, daher kann es sein, dass eine Menge angestaute Energie an die Oberfläche drängt und von uns wahrgenommen werden möchte. Wenn die Hingabe eintritt, überkommt uns unmittelbar ein Gefühl von Leichtigkeit und Freude, das beinahe berauschend ist.

Durch konsequentes Loslassen haben wir die Möglichkeit, im Zustand der inneren Freiheit zu bleiben. Gefühle kommen und gehen, bis wir schließlich erkennen, dass wir nicht unsere Gefühle sind, sondern dass das wahre Selbst lediglich Zeuge dieser Empfindungen ist. Wir hören auf, uns mit ihnen zu identifizieren.

Das Selbst, das beobachtet und sich dessen bewusst ist, was geschieht, bleibt dabei unverändert. Wir werden uns nach und nach dieses konstanten Beobachterbewusstseins gewahr und beginnen, uns mit dieser Bewusstseinsebene zu identifizieren. Schritt für Schritt werden wir mehr zum Zeugen, anstatt uns mit den erlebten Phänomenen zu identifizieren. Wir kommen unserem wahren Selbst immer näher und beginnen zu begreifen, dass wir die ganze Zeit von unseren Gefühlen getäuscht wurden: Wir glaubten, wir seien Opfer unserer Emotionen.

Nun erkennen wir, dass sie nicht die Wahrheit über uns selbst widerspiegeln, sondern lediglich eine Ansammlung vom Ego geschaffener Programme sind, von denen der Verstand irrtümlich glaubte, dass sie für unser Überleben notwendig seien.

Die Ergebnisse des Loslassens sind erstaunlich schnell und auf subtile Weise miteinander verwoben, doch ihre Wirkung ist äußerst kraftvoll. Oft lassen wir etwas los und glauben dennoch, dass es uns nicht gelungen sei. In solchen Momenten sind es meist unsere Freunde, die uns auf die Veränderung aufmerksam machen. Einer der Gründe für dieses Phänomen ist, dass etwas, das vollständig losgelassen wurde, aus unserem Bewusstsein verschwindet. Da wir nicht mehr daran denken, bemerken wir auch nicht, dass es weg ist. Dieses Phänomen tritt häufig bei Menschen auf, deren Bewusstseinsniveau ansteigt. Wir sind uns der Menge an Ballast, die wir bereits abgetragen haben, nicht bewusst; wir schauen ständig nur auf die eine Schaufel, an der wir gerade arbeiten. Wir wissen nicht, wie viel von dem Haufen schon verschwunden ist. Oft sind es Freunde und Familienmitglieder, die als Erste eine Veränderung wahrnehmen.

Um den Prozess nachvollziehbar zu machen, führen viele Menschen eine Tabelle über ihre Erfolge. Dies hilft, den Widerstand zu überwinden, der sich meist in der Form von „Das funktioniert nicht!“ äußert. Es ist nicht ungewöhnlich, dass gerade Menschen, die große Erfolge erzielt haben, gelegentlich sagen: „Jetzt funktioniert es nicht!“ Manchmal müssen wir uns daran erinnern, wie wir waren, bevor wir mit dieser inneren Arbeit begonnen haben.

– Dr. David R. Hawkins
(Loslassen – Der Weg der Hingabe)

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